Eigentlich…

…müsste ich wegen solcher Sätze regelmäßig eine Ecke aus dem Schreibtisch rausbeißen:

The best music is free any way - but don’t tell our label that ;)

Schon klar, ich werd auch einen Teufel tun, das dem Label zu stecken. Aber eigentlich sind genau solche Sätze bezeichnend und grad für noch eher unbekannte Bands, die froh sind, dass sich dann wer um die Produktion, das Marketing und den Vertrieb kümmert, schon auch ein Stück frustrierend. Nichts gegen die Arbeit von Labels, aber die sollten mal langsam von ihren selbstherrlichen Anspruch, etwas kontrollieren zu wollen, was nicht zu kontrollieren geht, wegkommen. Grad die Indies scheinen momentan in der selbstgemachten Krise drin zu stecken, wo die Majors vor 2-3 Jahren schon waren.

Und machen die selben Fehler prompt noch einmal - und nein, dies soll jetzt keine Pauschalkritik sein, denn Ausnahmen gibt es. Aber nur wenige und wenn ich dran denke, wie schwer sich da einige tun, bei nur 1(!) Song mal die Leine zu kappen und den rauszulassen, dann seh ich da keine frohe Zukunft für diese Denkweise. Aber macht ihr mal, zum Glück kann ich mir raussuchen, mit wem ich zusammenarbeite und mit wem nicht. Und das gleich auf mehreren Ebenen, was einen lustigen Blick in die Geschehnisse gibt.

Ich verstehe nur zu gut, wie schwer es ist, ein Erfolgsmodell des letzten Jahrzehnts einfach so über Bord zu werfen. Vor allem dann, wenn Existenzen dran hängen, die damit ihr täglich Brot verdienen. Deren Grundlage aber nunmal die Wertschätzung von Musik ist und nicht der stumpfe Verkauf. Und an letzterem klammert man sich, und vergisst dabei, dass Musik viel mehr ist, als nur ein Wirtschaftsgut. Nämlich im Zweifel Kunst - sollte es zumindest sein. Und es ist erbärmlich, sich jetzt über die Kunden zu beschweren, die man sich über ein gutes Jahrzehnt hinweg selbst geschaffen hat. Menschen, die Musik als nichts wertvolles, sondern als Wegwerfprodukt betrachten. Und das dürfte das Gros der Musikhörer ausmachen.

“Bringt doch kaum noch was, denn weder Radio- noch Clubpromotion verleitet heutzutage noch wen dazu, sich am Montag danach die CD zu kaufen.”

Denn, wenn am Sonntag nach dem Clubbesuch die Tauschbörse nur einen Mausklick weit weg ist, kann doch niemand in dieser schnellebigen Zeit erwarten, dass sich tot-rotierten Kram dann auch gekauft wird. Der ja nur deshalb auf Rotation ist, weil er schon oft genug gekauft wurde und damit allgemein bekannt ist. Die Perlentaucher sind seltene Erscheinungen und werden irgendwie weder richtig wahr- noch ernstgenommen. Musik mit Wert zu suchen und zu finden, ist immer noch aufwändig, aber weniger wegen der nicht vorhandenen Möglichkeiten, sondern eher wegen der schieren Masse an Musik, die uns Menschen mittlerweile überflutet.

Ich würd gern mal für einen Moment diese Maschine anhalten und die Ruhe geniessen wollen, die sich dann breitmacht. Damit man sich danach wieder an den Tönen der Künstler erfreuen kann, welche es wert sind, gehört zu werden.

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