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2 Gute Bands, eine Bahnfahrt die ist lustig und Gedanken zur Musikindustrie

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War klar, dass ich dann heute hier drüber schreiben werde, oder? Wie dem auch sei, das eigentliche Thema dann gleich zu Beginn. Der Liveauftritt von und war klasse!

Eigentlich könnte ich hier aufhören, denn warum große Worte verlieren. Es war sicherlich nicht perfekt, die Technik etwas “schwierig”, aber die Bands gut gelaunt und mit vielen neuen Songs, die selbst ich nicht kannte. Allerdings hat sich das dann bei ein klein wenig als Bumerang erwiesen, es war eine Generalprobe, bei der es an einigen Ecken noch etwas holprig rüberkam. Aber sei es drum, es fehlt halt doch ab und an die Liveerfahrung, welche allerdings auch weiterhin fehlen wird, wenn nicht noch mehr Veranstalter endlich kapieren, dass gute Musik nicht unbedingt teuer sein muss.

Und dann , als Quartett auch mit recht vielen neuen Songs und (damit haben sie mich echt erwischt) diesmal 2 Coverversionen im Gepäck. Und durchaus wieder die Erkenntnis, wenn die Band es irgendwann schafft, die Livequalität auf CD zu pressen, dann muss das Erfolg haben. Es kommt selten vor, immer seltener - ob der ganzen Möglichkeiten im Studio - dass eine Band live genau so gut oder sogar noch besser klingt, als auf der CD.

Das (etwas spärliche) Publikum nahm es jedensfall dankend zur Kenntnis. Allerdings war dann kurz nach den Livegigs für mich dann gestern auch schon wieder Schluss und um etliche Promos leichter und einem ganzen Karton “The Intimate Stranger”-CDs reicher gings auf den Heimweg.

Womit wir dann beim Bahnfahren wären - und nein, diesmal gehts nicht um die Deutsche Bahn und irgendwelche Verspätungen (gabs nämlich keine), sondern um die Mitfahrer. Und speziell auf der Hinfahrt wurde mir mal wieder bewusst, auf was gewisse Dinge (oder auch Probleme) reduziert und auf welchem (Stammtisch)-Niveau doch tagesaktuelle Themen diskutiert werden. Und meine persönlichen Favoriten sind dann immer wieder die Fußballfans. Echt cool - Fussball als Lebensmittelpunkt und vor allem Lebensphilosophie zu haben. Wow - wirklich toll. Und nein, ich bin kein Fußballhasser - ganz im Gegenteil - ich hab selbst 16 Jahre (mehr oder minder erfolgreich) meinen Körper damit geschunden.

Aber das allerschönste war
wieder dieses “Zeigt her Eure Handys/-Player/technischen Spielzeuge” - verbunden mit so sinnfreien Telefonaten ala “Ja, ja - du ich hör dich grad ganz schlecht - ja, nein, du ich bin in 5 Minuten da…”. Hö? Wozu soll das gut sein? Einfach nur die Gewissheit zu haben, jedem (also auch den Nachbarn im Zug) mitteilen zu können, wann man wo und wie einen Pups lässt? Tolle neue Welt - und genauso toll waren auch die Multimedia-Handys der Jugendlichen neben mir. Rein technisch gesehen schon ein kleines Wunderwerk (übrigens waren dies die Fußballfans von da oben). Aber nach einigen Minuten der Beobachtung schossen mir urplötzlich ganz seltsame Dinge durch den Kopf.

Mir kam dann so plötzlich in den Sinn, wer der eigentliche Feind der Musikindustrie ist. Und nein - ich werde daraus jetzt kein Dogma oder eine wissenschaftliche Abhandlung machen oder 1000% verifizierte Daten präsentieren, sondern einfach mal diese Gedanke unsortiert hier reinstellen. Wer weiss, wozu es gut ist.

Blenden wir mal die ganze Diskussion um Urheberrecht, Datenspeicherung, Auskunftsanspruch, Lobbie, Politik, 2. Korb und der damit verbundenen Polemik einmal aus und machen einen Zeitsprung. Sagen wir mal (damit ich mitreden kann) ungefähr ins Jahr 1985. Das war für mich so die Zeit, als ich anfing bewusst Musik zu konsumieren und kennen- bzw. lieben zu lernen. Schlecht nur, dass dies bei mir grad Phillip Boa und waren, gemixt mit The Cure, Sisters Of Mercy und The Mission und einer Prise Depeche Mode, Front 242 und vielen vielen anderen - das aber nur am Rande.

Und jetzt mal scharf nachgedacht - es gab keine Handys, keine -Player im Miniformat (gabs da schon?), kein Internet und CDs auch noch nicht. Das Taschengeld ging für viele Dinge drauf, unter anderem auch für Platten und Tapes zum Mitschneiden von Radiosendungen (welche damals wenigstens noch welche waren) oder zum Überspielen der neuesten Scheiben des Kumpels. Soweit so gut … und jetzt springen wir mal in die heutige Zeit.

Überall wo man hinschaut Content. Inhalte und eine Industrie, die einem dies verkaufen möchte. Was ich im Übrigen völlig legitim finde, denn ein Angebot existiert nur dann, wenn es auch einen Markt gibt (prinzipiell gesehen). Und die entscheidende Frage ist doch, um wieviel höher ist denn reell gesehen das Taschengeld der heutigen Jugend? Vergleichsweise wohl ähnlich zu sehen, wie bei uns damals in den 80igern. Und jetzt mal kurz scharf nachgedacht - es ist eine ähnliche Kaufkraft vorhanden, allerdings verteilt die sich mittlerweile doch auf viel mehr Inhalte, als noch vor 20 Jahren. Oder etwa nicht?

Die SMS wollen bezahlt sein, die neuesten Klingeltöne schreien danach heruntergeladen und bezahlt zu sein, eine kostet 99 cent, der passende Player dazu um die 50 Euro … achja, und CDs sollen diese Jugendlichen ja auch noch kaufen. Oder irre ich da jetzt und die sollen das gar nicht? Doch sollen sie - sonst würde ja die Musikindustrie nicht ständig die Keule rausholen, wenn mal wieder 4% weniger CDs im Jahr verkauft wurden und nach immer neuen Gesetzgebungen schreien.

Stellt sich nur die Frage, woher sollen die Kids denn das Geld nehmen? Das ging ja schon für die SMS an die Kumpels, die 2 coolsten Klingeltöne und den -Player drauf. Also ist der Feind der CD doch nicht der böse[TM] Downloader/Filesharer, sondern die Contentindustrie - oder etwa nicht? Da wird Musik auf piepsige Klingeltöne reduziert und teuer vertickt und dann beschwert man sich, das nicht die CD gekauft wird? Na aber hallo - warum denn auch, man hats doch selbst zu einem Wegwerfartikel gemacht und genau wie mit einem solchen gehen die Kids heutzutage wie selbstverständlich damit um. Downloaden, hören, kurze Zeit cool finden und dann wieder wegwerfen. Und das ganze noch unterstützt durch die ganzen “Superstars” mit der Halbwertzeit eines durchschnittlichen Furzes. Quantität statt Qualität seit Jahren - aber daran sind ja wie immer die anderen Schuld.

Oder nehmen wir den -Player - 256MB, 512 MB - soll wohl jetzt auch schon welche mit 1 GB Speicher geben, nicht zu sprechen vom ach so coolen iPod … wieviele Songs kann man darauf speichern? 100, 200, 500 oder sogar 1000? Und jetzt die gute Frage … ein kostet im Schnitt 99 cent (weil ich ja kopiergeschützten Dreck nicht rippen darf, muss man dies ja so annehmen) - macht bei 100 Songs auf dem Player mal eben 99 Euro für den Inhalt. Und das auf einem Stück Technik, was man im Einzelhandel nachgeworfen bekommt. Ja bitte fragt Euch doch mal, woher die Kids dieses Geld haben sollen. Genau - es erscheint schlichtweg unmöglich, diesen Billigartikel schnell und preiswert mit hochwertigem Content zu füllen, selbst wenn man es wollte.

Wo sind denn die Musikabos, die man im Bundle zum -Player dazukaufen kann? Ja wo? Sie sind nicht da - und solang ihr Deppen von der IFPI das nicht kapiert, das es nicht die Kunden Schuld sind, das ihr so tief in der Scheisse steckt, werd ich für Euch keine Träne vergiessen.

Und sollte auch nur ansatzweise Euer Begehren auf Auskünfte in der Politik auf offene Ohren stossen, brennt die Luft hoffentlich auch mal wieder in Deutschland.



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