Brüssel fordert Verwertungsgesellschaften heraus

Das ist mal eine Meldung, die einen als (Internet-)Radio-Betreiber hoffen lässt. Bisher war es ja so, das (quasi-)monopolistisch in jedem Land, die Rechte zur öffentlichen Aufführung von Musikstücken von sogenannten Verwertungsgesellschaften vergeben wurden. In unserem Falle ja dann GEMA und GVL - und eventuell erinnert sich ja noch jemand an die unsägliche Diskussion um die Tarifänderung und die schlichtweg inakzeptablen Nutzungsbedingungen der GVL.

Nun gut, manch Internetradio entzog sich dem durch Aufgabe, einige durch Umstieg auf verwertungsfreie Musikstücke (inkl. dem Mehraufwand, sich die Rechte von den jeweiligen Urhebern selbst zu beschaffen), andere wiederum durch geschicktes Ducken und Abtauchen in die Illegalität oder durch Schönrechnen von Sendezeit/Hörerzahlen.

Egal wie - Fakt ist, das wir im Vergleich zu den UKW-Radios ein mehrfaches für die selben Rechte bezahlen müssen. Bei darkerradio ist dies eine Mischkalkulation aus lizenzpflichtigen und lizenzfreien Musikstücken, dem Verzicht auf 24/7-Sendezeiten und damit einem erträglichen Maß an Gebühren bei der GVL. Und das nach der heutigen gestrigen News die GEMA ein ähnliches Lizenzmodell an den Start bringt, wage ich mittlerweile durchaus zu bezweifeln. Grad für solche (idealistischen) Projekte, wie das Unsrige (Verzicht auf Radiowerbung und Sponsoren) - ein kleiner Lichtblick:

Wie billboard.biz berichtet, werden die Veröffentlichungen der Europäischen Kommission nächste Woche eine Herausforderung für Europas Verwertungsgesellschaften darstellen. Die Europäische Kommission wird eine förmliche Stellungnahme, ein “Statement of Objections” abgeben.

Es wird weiter ausgeführt, dass es keine Notwendigkeit gibt, für lokale Verwertungsgesellschaften exklusive Lizenzrechte in jedem einzelnen Land wahrzunehmen, da die Lizenzierung auch vom Ausland aus überwacht werden kann. Diese Stellungnahme erscheint fünf Jahre nachdem die RTL Gruppe eine Beschwerde bei der Kommission eingereicht hatte, denn dem Sender wurde eine Anfrage für eine gesamteuropäische Rundfunklizenz negativ beschieden.

Diese Stellungnahme könnte nun ein Multi-Lizenz-System hervorbringen, das Verwaltungskosten auf ein Minimum reduzieren. “Es wird den Weg bereiten für ein zentrales Lizenzierungssystem, das einfacher zu handhaben ist und auch für den Nutzer ein Gewinn sein wird”, wird ein Insider zitiert.

Die Aktivitäten der Kommission werden noch nicht das Ende der Verwertungsgesellschaften bedeuten, da sie weiterhin im Bereich der Lizenzgebühren für lokale Bars und Diskos tätig sein werden. Jedoch bedeutet dies, dass sie nicht für alle Lizenzangelegenheiten eines einzelnen Landes in die Verantwortung genommen werden.

Im Jahr 2004 warnte die Europäische Kommission 16 Verwertungsgesellschaften für die Rechte von Autoren, dass der beschrittene Weg im Bereich von lizenziertem Repertoire durch ihr so genanntes “Santiago Agreement” gegen europäische Wettbewerbsregeln verstößt. Auf dem gleichen Wege kommt auch die Brüssler Empfehlung von vergangenem Oktober, die gesamteuropäischen Regelungen zur Lizenzgewährung zu rationalisieren und zu überarbeiten.

(Quelle: Musikmarkt Online)

Im Klartext heisst das, dass wir wohl bald einen VG-Partner unserer Wahl in Europa suchen dürfen und die Lizenzen bei dem für uns günstigsten Anbieter erwerben können. Also manchmal find ich diese EU gar nicht mal sooooooooo verkehrt … Allerdings werden die VG’s der einzelnen Länder sicher stark blocken und neues Ungemach steht ja mit dem so genannten Zweiten Korb des Urheberrechtsgesetzes schon ins Haus …

Ähnlichkeiten mit anderen existierenden Artikeln sind rein zufällig:
politik & kultur Dossier: Verwertungsgesellschaften | Bestätigung der CC-Lizenzen durch spanisches Berufungsgericht | Geht ja doch | Creative Commons vs GEMA | Darf ich es mal drastisch formulieren? | Zum Thema IP-Logging | Das neue Urheberrechtsgesetz… | Deutsche Creative Commons-Lizenzen in Version 3.0 verfügbar | Geteiltes Leid ist doppelte Freude… | Toleranz |

1 Meinung ↓

#1 FALK stands for FUCK ART, LET’S KILL! » eMusic und die europäischen Rechteverwerter am 18.09.2006 gegen 18:56

[...] Es wäre zu schön, wenn innovative Unternehmen hier in Europa endlich mal ohne Knüppel zwischen den Beinen starten könnten. Aktuell scheitert eMusic beim Start in Europa an den fehlenden Lizenzen in England und in Deutschland. Na prima - wielang will die EU denn nun noch warten und den Markt öffnen. Damit eine Lizenzierung in Holland auch für ganz Europa gilt. [...]

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