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Ziviler Ungehorsam?

Ziviler Ungehorsam ist der aus Gewissensgründen und gewaltfrei vollzogene bewusste Verstoß gegen ein Gesetz, eine Pflicht oder den Befehl eines Staates oder einer anderen Macht. Im Gegensatz zu einem Streik ist er nicht rechtlich abgesichert, und der Ungehorsame nimmt bewusst in Kauf, dafür bestraft zu werden. Wer zivilen Ungehorsam ausübt, gilt als Anarchist oder Staatsfeind, da er eine fremde Herrschaft über seine Aktivitäten ablehnt.

Soweit Wikipedia zu dem Begriff im Titel.

Nachdem ich letztens ja schon über die VUT-Kampagne „Respect The Music – Copy Protection Free” gestolpert bin, mal wieder ein Fundstück aus dem Netz.

“P2P-Austausch ist dasselbe wie der Diebstahl einer CD im Geschäft!” “Wir müssen Künstler davor schützen, von Verbrauchern im Internet ausgeraubt zu werden”.

Solche und ähnliche Botschaften erreichten den “geliebten” Kunden der Musik(industrie)wirtschaft ja in den vergangenen Jahren gehäuft via Werbespot, Kinowerbung und quadratmetergroßen Plakatwänden in den Innenstädten. Man verschlief die Erscheinung “Internet” und sah die eigenen Felle davonschwimmen. Aber mal ehrlich, das Problem Internetpiraterie ist ja durchaus ernst zu nehmen - aber doch nicht, indem man eigene Fehler seinen “Kunden” zuschiebt. Aber genau dies wurde getan und dann sogar noch versucht, massiv in die Politik und die Gesetzgebung einzugreifen und das sogar stellenweise mit Erfolg. Von daher passt der Begriff “Ziviles Ungehorsam” ganz gut auf das, was die Herren Labelmanager der Big Three (sind ja nur noch 3, die 80% des Tonträgerumsatzes in Deutschland generieren) jetzt beobachten dürfen.

Es ist dieses “Jetzt erst recht…”, was die Leute dazu bewegt, trotz aller Angstmache seitens der Industrie, weiter fleissig privat Musik zu tauschen. Und warum auch nicht - das wurde früher schon gemacht, halt nur in anderer Qualität. Aber wirkungsvoll verhindern und unterbinden kann man es nicht. Und ein *Unrechtsbewusstsein* erzeugt man mit dieser Taktik sowieso nicht. Hier wäre der Dialog *frühzeitig* angemessen gewesen und nicht die Konfrontation. Und wenn ein (mittelmäßiges) Produkt sich nicht mehr so gut verkauft* wie früher, dann muss man eben erst über das Produkt nachdenken, anstatt den (Nicht)käufern die Schuld zuzuweisen. 1

Sei es drum, bitterer ist die ganze Geschichte eher für die restlichen 20%, welche sich z.B. in Deutschland hunderte von (stellenweise nur aus Idealismus geführten) Labels teilen müssen. Diese sind sozusagen der Kollateralschaden der großen Politik, denn diese gehen zwar noch auf ihre Kunden ein - aber leiden jetzt unter der allgemeinen Meinung, dass alles, was mit dem Verkauf von Musik zu tun hat ja eh nur raffgierige Manager sind. Und mal eine persönliche Meinung dazu, diese 20% bringen 1000% bessere Musik auf den Markt, als die großen 3.

Aber ich möchte zum Ende kommen - eigentlich wollte ich ja lediglich auf eine Kampagne aus Brüssel hinweisen. Dem Säbelrasseln der Industrie begegnet der Europäische Verbraucherverband BEUC nun mit einer Kampagne für digitale Verbraucherrechte und einer eigenen Website, auf der sich verunsicherte Konsumenten über ihre Rechte aufklären lassen können. Seit etwa Mitte Januar sind alle Informationen auch auf Deutsch verfügbar und das Ziel ist klar “Aufklären, statt zu verbieten!” und genau so sollte es letztendlich ja auch sein oder?

consumersdigitalrights.org
consumersdigitalrights.org (Petition)

  1. Kleine Fussnote in der Mitte: Die Musikindustrie beklagt ja lediglich einen recht geringen Umsatzrückgang, welcher einhergeht mit einer etwas geringeren Gewinnmaximierung. Konkrete Zahlen hält man ja gern unter Verschluss, aber die frohen Botschaften seitens der IFPI waren nie zu übersehen! []
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