Monatliches ArchivSeptember 2005



darkerradio 30.09.2005 22:25

Die 1. darkerradio Charts

Ha, damals hiessen die noch dRRo/meladicta.com-Charts …

waren eine Gemeinschaftsproduktion zweier Communities und überhaupt …

aber das waren sie am 29.06.2003:

1 [:S.I.T.D:] - Laughingstock
2 Dulce Liquido - Diffraktal Points
3 Suicide Commando - Face Of Death
4 Feindflug - Glaubenskrieg
5 Velvet Acid Christ - Pretty Toy
6 Assemblage 23 - Purgatory
7 Hocico - Wounds
8 Armageddon Dildos - Tanz auf dem Vulkan
9 Project-X - Last Notes
10 VNV Nation - Beloved
11 Eisheilig - Vater Unser
12 Accessory - 2nd Chance
13 Funker Vogt - Final Thrill
14 Lights Of Euphoria - True Life
15 Cyber Axis - Can’t Get You Out Of My Heads
[NEU] DavaNtage - Decadence (Feindflug Remix)
[NEU] Absurd Minds - Deception (E-Craft Remix)
[NEU] Feindflug - Stukas im Visier
[NEU] Das Ich - Destillat (Zillo Club Remix)
[NEU] Wumpscut - Achtung (:W:-Remix)

Was waren wir elektronisch zu den Anfangstagen von darkerradio. Könnte man ja fast behaupten, die GEWC wären die logische Fortsetzung des Ganzen ;)

darkerradio 30.09.2005 22:00

Der 1. Newsletter von darkerradio

Damals sogar noch in Englisch:

just remember for today:
We are proud to anounce that Industriepalast, a very nice german Industrial One-Man-Project, will play an exclusive set here on darkerradio. The set will be played on 11.07.03 at 19.00h GMT (21.00h MEST) to about 20.40h GMT (22.40 MEST) - so don’t miss it. Industriepalast will also be online in the chat while this set for questions and stuff. If you want to chat with him then or if you want to chat with us just click on “Chat”. The whole playlist was postet at darkerradio.de 15 minutes before the set start under the special section.


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darkerradio 26.09.2005 16:02

Mic Jogwer (Pink Turns Blue): “Für die Liebe habe ich mich bereits entschieden.”

Pink Turns Blue - ReUnionDie Originalankündigung zum Special ist mir leider entfallen (war ja auch schon Anfang 2004). Allerdings war uns die Ankündigung, das Pink Turns Blue nach 10 Jahren wieder ein Album veröffentlichen, einiges an Aufwand wert. Das Interview wurde von Torsch geführt und am 12.05.2004 gesendet. Und natürlich das Album “Re-Union” vorgestellt - aber lest selbst.

darkerradio: Die Gründung von Pink Turns Blue liegt ja nun schon eine ganze Weile zurück. Einige von unseren Hörern werden euch auch gar nicht kennen. Vielleicht erzählst du ja zunächst erst mal ein bisschen was darüber, wie PTB überhaupt entstanden ist.

Mic Jogwer: Pink Turns Blue entstand 1987 in Köln. Tom und ich trafen uns dort und haben Joy Division und einige andere Sounds aus England gehört, haben zusammen Songs geschrieben, die in die gleiche sentimentale schwarze Richtung gingen, und das war zu einer Zeit, als in Deutschland eigentlich Deutschpop und Neue Deutsche Welle im “funny”-Sinne angesagt waren. Wir waren immer sentimentaler, wir waren immer ein bißchen tiefgründiger, zurückgezogener, verliebter in Räume und Klänge und traurige Lieder, und dadurch entstanden halt Alben wie “If Two Worlds Kiss”, “Meta”, “Your Master Is Calling”, “Eremite”, “Michelle”, “Aerdt”, “Seven Years” mit Titeln, die sehr schnell für den Geist der Bewegung damals standen, die auch sehr schnell entstand, dort trafen wir auch damals Bands wie Das Ich, Deine Lakaien, Wolfsheim, alles alte Helden und Mitstreiter von der damaligen Szene. “Michelle” hat sich sicherlich heute als einer der Hymnen der Szene etabliert. Ja, das ist Pink Turns Blue.

darkerradio: Wer hat euch am meisten beeinflusst (gestern/heute) und wen glaubt ihr beeinflusst zu haben?

Mic Jogwer: Unsere Helden waren damals Velvet Underground, Nico, Joy Division, Jesus and Mary Chain, Sisters Of Mercy, The Cure und natürlich Kraftwerk, Die Einstürzenden Neubauten, Laibach, Nick Cave & the Bad Seeds. Daraus ergibt sich wohl auch die Kombination aus dunklem leidenschaftlichen Gesang mit romantisch-sentimentalen Klängen, expossiven Gitarren, aber auch elektronischen Elementen.

darkerradio: Welche Band gehört deiner Meinung nach verboten und welche hat Respekt verdient?

Mic Jogwer: Respekt immer noch für Depeche Mode, VNV Nation, Wolfsheim, also Bands, die es geschafft haben, Pop und Sentimentalität wundervoll zu verbinden. Ich mag Melodien, ich mag traurige Lieder, ich mag gute Grooves. Respekt auch für Deine Lakaien, die es geschafft haben, klassisch-romantische Welten mit Melodien zu verbinden. Respekt für Das Ich, die als erste den Mut hatten, die Gefühle der schwarzen Bewegung in deutsche Worte zu fassen.

darkerradio: Die nächste Frage, die sicherlich im Raum steht ist natürlich, was hat dich bzw. euch dazu bewogen, PTB wieder zusammenzuführen?

Mic Jogwer: Thomas Görnert ist schuld. Der Veranstalter des Wave Gotik Treffens rief mich eines Tages an und überredete mich, ein einmaliges Konzert, nötigenfalls mit Akustikgitarre, in Leipzig zu geben. Er lud mich ein, am Wave Gotik Treffen teilzunehmen, und ich war verzaubert von den Menschen, von dem Geist, von der Atmosphäre, und da war mir klar, daß die deutsche Gothic- und Waveszene meine Heimat ist, also die Heimat meiner Seele auf jeden Fall. Und dazu kam, daß ich von zu vielen gebeten wurde, also immer öfter gebeten wurde wieder zu singen, also Remixe darüber zu singen, Gastsänger zu sein, und ich glaube, das liegt daran, daß wohl meine Stimme und meine Songs für einen gewissen Geist stehen und für einen gewissen Seelenzustand stehen und der sehr stark mit der schwarzen Szene verknüpft ist. Wir haben dann auf dem Wave Gotik Treffen gespielt, und die Resonanz war überwältigend.

darkerradio: Die Fans freuen sich auf die Re-Union und auf den M’Era Gig… ihr euch auch oder habt ihr eher “Muffensausen”, weil nicht klar ist, wie die Fans reagieren werden?

Mic Jogwer: Ich glaube, die Fans werden begeistert sein, weil wir die Klassiker spielen, “Michelle”, “Your Master Is Calling”, “I Coldly Stare Out”, “If Two Worlds Kiss”, viele viele andere, und weil die Band so gut ist wie nie zuvor. Wir haben kein bißchen des alten Geistes verloren, wir haben kein bißchen der Intensität und der Atmosphäre verloren, und ich glaube das Beste ist, wir sind wirklich authentisch geblieben. Pink Turns Blue ist und bleibt Pink Turns Blue.

darkerradio: Auf dem M’Era werden Leute in der ersten Reihe stehen, die euch vielleicht noch nie gehört haben und eigentlich nur in der ersten Reihe stehen, weil sie auf die nachfolgende Band warten. 1. Glaubt ihr auch die begeistern zu können und 2. wollt ihr das überhaupt?

Mic Jogwer: Wir haben überhaupt kein Muffensausen vor den neuen und jungen Fans, weil wir das schwarze Publikum lieben, weil wir zu der Familie gehören, wir alles geben, aufrichtig sind, wir eine Alternative darstellen. Wir hatten die gleiche Situation bereits letztes Jahr in Leipzig, und die Achtzehnjährigen waren hin und weg. Wir stehen nicht in Konkurrenz mit irgendwie EBM-Göttern oder Mittelalterhelden, sondern sind vom Sound her eine abwechslungsreiche Alternative, und das haben uns auch viele viele bestätigt. Wir haben sehr gute Songs und wir haben einen überzeugenden Auftritt.

darkerradio: Nachdem ihr letztes Jahr auf dem WGT so erfolgreich aufgetreten seit, steht dieses Jahr das M’Era an. Gibt es neben dem Re-Union Konzert am 15.5. im Z-Fall in Bochum schon Pläne für eine Tour oder steht zunächst mal euer für Ende des Jahres angekündigtes Album im Vordergrund?

Mic Jogwer: Erstmal konzentrieren wir uns dann nach dem M´Era Luna auf das Album. Wir möchten sehr gerne eine Single rausbringen noch dieses Jahr. Wir machen also eigentlich außer Zwischenfall, Wave Gotik Treffen und M´Era Luna erstmal nichts.

darkerradio: Thema neues Album: was können wir als Hörer erwarten?

Mic Jogwer: Was kann der Hörer vom neuen Album erwarten? Auf jeden Fall leidenschaftliche Lieder, Geschichten aus einer schwarzen Seele, getragen von einer rufenden Stimme, getragen von hämmernden Beats, dazu verlorene Töne, zauberhafte Stimme, tragende Bässe, aber vor allem blutende Gitarren.

darkerradio: Und zum Schluss die obligatorischen Quick Questions - Quick Answers 1. Was möchtest du auf deinem Grabstein stehen haben?

Mic Jogwer: Auf meinem Grabstein hätte ich gerne stehen: “Ich bin noch da.”

darkerradio: 2. Deine größten Fehler

Mic Jogwer: Meine Fehler sind sicherlich Ungeduld und Egozentrik.

darkerradio: 3. Deine größten Vorzüge

Mic Jogwer: Meine größten Vorzüge? Ich glaube Authenzität, Liebe, Kraft.

darkerradio: 4. Stell dir vor dein Haus brennt. Du hast Zeit, 3 Dinge zu retten. Was wäre das?

Mic Jogwer: Wenn mein Haus brennt, würde ich sicherlich versuchen, einige Dinge mitzunehmen, auf jeden Fall meine neuen Songs, sicherlich meine Gitarren, sicherlich die Geschenke meiner Liebsten und Freunde.

darkerradio: 5. Das beste Album allerzeiten / das beste Konzeptalbum allerzeiten?

Mic Jogwer: Das beste Album aller Zeiten ist für mich sicherlich Joy Division - “Closer”, auch Velvet Underground - “Nico”, Jesus & Mary Chain - “Psycho Candy”. Das beste Konzeptalbum ist für mich Pink Floyd - “Wish you were here”.

darkerradio: 6. Geld oder Liebe? ;)

Mic Jogwer: Für die Liebe habe ich mich bereits entschieden.

darkerradio 26.09.2005 16:01

Massiv In Mensch

Falk: Wer steckt hinter Massiv In Mensch und seit wann gibt es Euch?

Daniel: Massiv In Mensch sind Mirco Osterthun und ich, Daniel Logemann, und kennengelernt haben wir uns 1993, das war noch in der Schulzeit, da haben wir einfach festgestellt, daß wir gleiche musikalische Interessen haben, daß wir EBM, ein bißchen Techno und Trance hören, und dann entstand auch gleich der Gedanke, daß wir diese Art von Musik auch selber produzieren wollen. Das haben wir dann auch erstmal 5 Jahre lang in Heimarbeit und ohne große Ambitionen mit relativ einfacher Software gemacht, haben für uns immer fleißig Demos produziert und sind dabei auch recht experimentell zu Werke gegangen, und erst 1998 haben wir zu unserem Konzept gefunden, haben damals eine Sängerin mit einbezogen und Texte geschrieben, und die Tracks wurden auch songorientierter, und gleichzeitig entstand 1998 auch der Kontakt zu unserer ersten Plattenfirma, “Wire Productions”. Das geschah auch wieder durch einen Zufall, indem wir dann ein mp3 auf unserer Internetseite bereit gestellt hatten, und durch einen Zufall hat einer der Verantwortlichen von Wire dieses mp3 gehört und hat uns angeschrieben, und kurze Zeit später waren wir dann auch schon im Tonstudio von Wire Productions und haben die erste Platte eingespielt, “Belastendes Material”.

Falk: Wie beschreibt ihr selbst Eure Musik und wie seit ihr zur Musik gekommen?

Daniel: Es ist ja allgemein immer recht schwierig, Musik zu beschreiben oder eine Schublade zu finden, und gerade bei uns, denke ich, ist es auch immer ein wenig verzwickt, weil… selbst Kritiker haben Probleme, uns in irgendeine Schublade einzuordnen. Wenn man sich so unsere Kritiken durchliest, ist da irgendwo eine ganze Palette zu finden von Bands, mit denen wir verglichen werden, teilweise zu Recht, teilweise auch zu Unrecht, und wir selbst sehen das einfach etwas lockerer, und wir haben mit Sicherheit EBM-Elemente bei uns noch drin, wobei diese immer mehr in den Hintergrund geraten teilweise, vielleicht noch auf dem ersten Album “Belastendes Material” kamen sie doch sehr stark zu Tage. Wir haben aber immer versucht, auch Techno- und Trance-Elemente mit einzubeziehen und hieraus irgendwie eine neue Fusion zu schaffen, und wir selbst nennen das Ganze ja auch etwas ironischerweise “Dark Rave”, weil wir das “Dark” darauf beziehen, daß es mit unserem sarkastischen Humor in Einklang zu bringen ist, und “Rave” halt weil viele Techno-Elemente in der Musik vorkommen. Gleichzeitig ist es natürlich eine Anspielung auf “Dark Wave”, was wir nun überhaupt nicht anstreben, und ich denke, auf dem neuen Album ist eigentlich wieder eine gute Mischung aus vielen Stilen elektronischer Musik vorhanden, und ich denke, es wird dadurch auch nicht unbedingt langweilig, weil wir immer bestrebt sind, eine neue Mischung zu finden. Diesen radikalen Schritt haben wir ja schon vom ersten zum zweiten Album vollzogen. Viele haben da den Kopf geschüttelt oder gesagt, wie könnt ihr sowas machen, aber es war uns wichtig, halt nicht noch einmal “Belastendes Material Part 2″ herauszubringen, sondern wir wollten was neues schaffen, und genau dasselbe ist jetzt wieder bei der “Menschdefekt” der Fall, also auch da haben wir wieder versucht, wieder was neues zu erschaffen, und dieses Mal auch wieder mit mehr Gesang und teilweise auch vielleicht etwas größeren Rückbezügen zur ersten Platte. Ich denke, dadurch wird es auch wieder eine spannende Angelegenheit und wir hoffen, daß die CD auch gut ankommt.

Falk: Gibt es musikalische Vorbilder?

Daniel: Nach Vorbildern werden wir recht häufig gefragt, und wir haben da eigentlich auch immer ein paar Antworten parat, und zwar sind das auf jeden Fall Tommi Stumpff, der uns auch schon damals, 1993, sehr geprägt hat mit seinen Alben “Trivial Shock” und “Ultra” vor allen Dingen, und auf der anderen Seite auch etwas experimentellere Elektronik, auch vielleicht mit etwas mehr Technobezügen, z. B. Some More Crime war immer eine Band, die uns inspiriert hat, und viele Künstler aus dem Techno- und Trance-Genre, sowas wie Juno Reactor, Utah Saints oder auch die Frankfurter Schiene à la LDC, Klangwerk oder heutzutage auch sowas wie Der Verfall. Das inspiriert uns auch nach wie vor ein wenig.

Falk: Eure Albentitel sind immer sehr typisch für Euch und nicht immer grammatikalisch ganz korrekt. Was hat es mit “Menschdefekt” auf sich?

Daniel: Wir haben schon immer mit der deutschen Sprache gespielt, und das haben wir nicht nur auf den Alben gemacht, sondern in einzelnen Tracks kommt das zu Tage, nicht nur zuletzt in unserem eigenen Bandnamen, der auch immer für reichlich Verwirrung sorgt, und bei “Menschdeffekt” ist es einfach so, da gab es einen Titel “Menschdefekt”, den wir vor Jahren aufgenommen haben, der auf diesem Album aber nicht zu finden ist, aber der Klang dieses Namens hat uns eigentlich schon immer fasziniert, und gleichzeitig steht er auch symbolisch dafür, was wir oftmals in Tracks oder in den Texten beschreiben, und zwar ist das ja hauptsächlich Dekadenz oder die negativen Eigenschaften des Menschen, und da paßt so ein Titel wie “Menschdefekt” natürlich sehr gut für so ein Album, und es ist sozusagen Programm, auch wenn es jetzt kein Konzeptalbum geworden ist, aber sowas wie “Vokuhila” kann man sehr gut mit “Menschdefekt” in Einklang bringen, und deswegen haben wir uns auch für “Menschdefekt” entschlossen.

Falk: Ein Song liegt mir ja besonders am Herzen - “Vokuhila”. Was war oder ist der Grund und die Bedeutung für diesen Song?

Daniel: Ich glaube, mit “Vokuhila” haben wir zum ersten Mal unseren Sarkasmus auf den Punkt gebracht, und zwar geht es in dem Song ja um die berühmt-berüchtigte Frisur aus den 80er Jahren: vorne kurz, hinten lang. Personen wie Paul Breitner oder Pierre Litbarsky haben diese Frisur ja seinerzeit mit großem Erfolg in den 80er Jahren zu Tage gebracht, und aufgrund des 80er-Jahre-Hypes ist uns aufgefallen, daß doch dieser Style wieder etwas in Mode kommt, und gleichzeitig haben wir auch viele dieser Leute in Discotheken wiedergetroffen zum Beispiel, vorzugsweise mit weißem Hemd, schwarzer Lederweste und Schnauzbart, und da war es für uns eigentlich nur ein Signal, daß wir was dagegen tun müssen, und das haben wir dann mit diesem Song gemacht, und es heißt hier ja auch “welcome to Hardcoreland” und “the scum of the earth”, also “der Abschaum der Menschheit”, und es ist natürlich eine drastische Überziehung dessen, was wir eigentlich wollen, aber wir haben es einfach mit unserer Ironie mal einfach ein bißchen übertrieben und gleichzeitig auf den Punkt gebracht, und deswegen “Vokuhila the scum of the earth”.

Falk: Noch ein Song vom neuen Album - “A Gothic On XTC”. Eine Anspielung?

Daniel: “A Gothic on XTC” ist natürlich eine Anspielung und auch wieder ein sehr ironischer Track von uns, und zwar geht es hier um einen Gothic, der sich an Wochendenden vorzugsweise in Großraumdiscotheken aufhält und hier Party macht und ganz und gar nicht düster und dunkel daherkommt, auch wenn sein Outfit das vielleicht vermuten läßt. Hier tanzt er nicht zu Goethes Erben oder zu Lacrimosa, sondern vorzugsweise zu Technoklängen, Kommerz- und Billigproduktionen à la Rednex, und es ist einfach ein ironisches Statement dafür, daß doch eine gewisse Verklemmtheit in dieser Szene vorherrscht und wir diese Verklemmtheit ansprechen und aufzeigen, daß auch solche Leute Spaß haben können, und das ist eigentlich der Sinn dieses Songs, und das spiegelt sich auch glaub ich in den Sounds sehr gut wieder, wo wir ein Intro gewählt haben, was doch noch recht düster daherkommt und auf einmal der Bruch zu einer doch sehr dancelastigen Stelle kommt, man könnte es ja schon fast als Kirmestechno bezeichnen, und das war auch der Sinn dieses Tracks. Gekommen sind wir auf die Idee, weil in unserem eigenen Freundeskreis so ein Fall vorherrscht, und das hat uns eigentlich inspiriert, diesen Titel aufzunehmen.

Falk: Steckt hinter dem Album ein Konzept oder sind die Songs losgelöst voneinander zu betrachten?

Daniel: Also “Menschdefekt” ist mit Sicherheit weniger ein Konzeptalbum als zum Beispiel “Belastendes Material”, aber ich würde sagen, wir haben schon immer einen gewissen thematischen Überbau. Also es sind mit Sicherheit keine Tracks vorhanden, die irgendwie total aus dem Konzept herausgelöst zu betrachten sind, vielleicht abgesehen von den beiden Coverversionen, die man im Allgemeinen etwas losgelöst betrachten sollte. Aber ansonsten ist es bei uns schon immer so, daß wir das Thema Mensch oder die negativen Eigenschaften des Menschen und Dekadenz ansprechen und das in allen Variationen zu Tage bringen, und oftmals mit einem gewissen ironischen Unterton, und ich glaube, auf dieser Platte haben wir das dann zum ersten Mal auch recht krass zu Tage gebracht, indem wir auch das auf anderen Ebenen wiederspiegeln. Nicht nur zuletzt “Vokuhila” ist halt ein Beispiel dafür, daß wir das etwas übersteigert und ironisch darstellen.

Falk: Eure Musik entzieht sich ja gekonnt lapidaren Vergleichen und wird von euch selbst als Dark Rave bezeichnet. Ihr selbst lehnt ja Weiberelectro auch ab - wie seht ihr derzeit die Musiklandschaft speziell im elektronischen Bereich?

Daniel: Also inzwischen sehe ich die Musiklandschaft schon etwas globaler als noch vor 3 - 4 Jahren, wo wir doch recht stark auf EBM und Electro fixiert waren, und ich finde, gerade in diesen Bereichen hat sich eine gewisse Stagnation eingestellt. Wenn man sich die neuesten Produktionen so aus diesen Bereichen anhört, gibt es doch oftmals keine Überraschungen mehr. Also es gibt oftmals Rückbezüge zu ganz alten EBM-Klängen, da ist auch ein kleiner Hype entstanden. Dann gibt es zum Teil viele Bands, die ihren Vorbildern wie Covenant, VNV Nation oder Apoptygma Berzerk sehr ähnlich klingen, und das meinen wir dann auch mit Future-Pop oder Weiberelectro, wie man auch immer das bezeichnen möchte, auf jeden Fall geht es hier um die klangliche Dimension, und die ist einfach recht eindimensional. Und dasselbe spiegelt sich dann wiederum auch im Industrial-Bereich ab, wo oftmals viele Bands ihre Helden wie Suicide Commando kopieren, und das ist irgendwo alles nicht unser Ding. Wir haben schon immer eher das gesucht, was vielleicht ein bißchen aus dem Rahmen herausspringt, und vielleicht sind wir dadurch so ein bißchen immer in einer gewissen Außenseiterposition, weil wir EBM mit Techno und mit Trance verbunden haben und mit “Dark Rave” halt auch sehr konsequent sind und das auch wirklich so bezeichnen, daß es so ist, und wahrscheinlich finden wir nicht nur Freunde in dieser Szene, aber viele finden auch, daß das sehr lobenswert ist, daß wir so konsequent sind, und das bestärkt uns eigentlich auch nur, und wir wollen halt einfach das produzieren, was wir sehr gerne selbst hören, und das ist nunmal auch viel Techno und viel Trance, und wir versuchen immer, das dann auch mit unseren Wurzeln zu verbinden, und ich denke, da kommt dann auch eine recht interessante Mischung heraus, und vielleicht ist es ja auch irgendwann soweit, daß das noch etwas gesellschaftsfähiger wird.

Falk: Wie entstehen Eure Songs, habt ihr eine spezielle Vorgehensweise?

Daniel: Viele Tracks entstehen einfach aus dem Bauch heraus. Wir fangen einfach irgendwann an mit einem Grundgerüst, und im nachhinein werden dann immer wieder neue Elemente hinzugefügt, bis sich dann irgendwann herausstellt, wie der Track verlaufen soll, und es ist oftmals wirklich eine Bauchentscheidung. Also es ist selten so, daß wir wirklich ein Konzept von vorne bis hinten haben und diesen dann auch so gestalten, das ist dann oftmals vielleicht bei Remixen der Fall, aber wenn wir selbst Musik machen, gibt es oftmals viele Tracks, die wir schon seit vielleicht Monaten auf dem Rechner haben und die wir dann irgendwann im Laufe der Zeit zu einem Song wirklich gestalten, und von daher können wir nicht wirklich sagen, daß wir eine festgefahrene Vorgehensweise haben, wenn wir Tracks konzipieren. Es ist wirklich alles emotional vielleicht auch besetzt, je nach Stimmung produzieren wir dann vielleicht mal einen etwas härteren Track oder auch mal vielleicht eine ruhige Nummer, und das sollte eigentlich glaub ich auch in der Musik immer so sein. Deswegen klingen unsere Tracks vielleicht auch recht authentisch.

Falk: Wie kam es eigentlich dazu, das ihr seid beim in Toronto/Kanada ansässigen Label ArtofFact Records unter Vertrag seid?

Daniel: Die Zusammenarbeit mit ArtofFact Records entstand im Jahre 2001, und zwar hat damals ArtofFact die Lizenz für unser erstes Album “Belastendes Material” erworben, und zwar von Wire Productions, unserer damaligen deutschen Plattenfirma, und die CD wurde dann mit großem Erfolg in Nordamerika veröffentlicht, und in der Folge entstand halt auch eine gute Zusammenarbeit und Kooperation zwischen Massiv in Mensch und ArtofFact Records, und wir haben halt gemerkt, daß wir mit unseren zukünftigen Produkten und CD´s sehr gut mit Art of Fact zusammenarbeiten können, und haben dann ja auch gleich in der Folge die CD “Die Rein” eingespielt, und seitdem sind wir eigentlich sehr zufrieden mit der Arbeit von ArtofFact, die ja auch zeitgleich mit deutschen Vertriebspartnern wie SX-Distribution oder deutschen Promotionfirmen wie Hardbeat zusammenarbeiten, und dadurch haben wir natürlich auch hier vor Ort gute Ansprechpartner.

Falk: Wie kommt es eigentlich dazu, das ihr sehr häufig für andere Musiker Remixe anfertigt? Habt ihr selbst einen Traumkanditaten von dem ihr gern mal einen Song remixen würdet?

Daniel: Ein Remix kann immer auf verschiedene Art und Weise zustande kommen. Einerseits ist es so, daß ArtofFact des öfteren anfragt, ob wir einen Remix für eine andere Band anfertigen können, und zum anderen gibt es natürlich auch Freundschaften mit anderen Bands wie TH Industry oder Rector Scanner oder Spiritual Reality, mit denen wir auch zusammenarbeiten und Remixe anfertigen, und auch sonst kommen des öfteren mal Anfragen von Bands, vielleicht auch unbekanntere, an uns, ob wir vielleicht mal einen Remix anfertigen können, und so kommt es eigentlich zu einem Austausch von Remixen und oftmals auch zu sehr interessanten Konstellationen, und was einen Traumkandidaten angeht, so haben wir uns darüber eigentlich noch nicht so richtig Gedanken gemacht, aber es gibt mit Sicherheit Bands, die wir ja auch schon erwähnt haben, wie jetzt zum Beispiel die Utah Saints oder Tommi Stumpff, wo wir natürlich gerne mal einen Remix anfertigen würden, aber das sind natürlich noch alles Visionen, vielleicht werden die dann ja irgendwann einmal realisiert werden können.

Falk: Was waren eure schönsten Auftritte bisher?

Daniel: Die beiden schönsten Auftritte waren sicherlich einerseits im Jahre 2000 das Eurorock-Festival in Belgien, und hier auf jeden Fall aufgrund der Tatsache, daß wir vor einem großen Publikum spielen konnten und zeitgleich auch mit Bands wie Philtron, Alphaville oder Marc Almond auf einer Bühne standen, das war natürlich schon ein großartiges Gefühl damals als Newcomer, und zum anderen war auch ein großes Event damals unsere CD-Releaseparty im Jahre 2000, die wir in unserer Heimatstadt Varel organisiert und gestaltet haben, und hier zusammen mit Ecki Stieg, einem bekannten DJ, zusammen durchgeführt haben, und hier waren 400 Leute zu Gast, und für diese kleine Stadt und für diese Verhältnisse war es natürlich ein großer Erfolg, und wir haben dort auch wirklich eines unserer besten Konzerte abgeliefert.

Falk: Und wie bewertet ihr die Resonanz des Publikums und wo kann man Euch in nächster Zukunft live sehen?

Daniel: Also bislang sind wir mit der Resonnanz des Publikums sehr zufrieden, das hat sich vor allen Dingen in Mails und Gästebucheinträgen und vielleicht auch persönlichen Kontakten herausgestellt, und natürlich gab es mal erfolgreichere und weniger erfolgreiche Konzerte in unserer Laufbahn bis jetzt, aber insgesamt haben wir natürlich ein positives Fazit gezogen aus diesen ganzen Erfahrungen, und wir wollen auch auf jeden Fall wieder live spielen, nachdem wir ja doch eine längere Zeit jetzt nicht mehr live präsent waren, und im Jahr 2004 werden wir auf jeden Fall im Zuge der Veröffentlichung des neuen Albums “Menschdefekt” auch live zu sehen sein. Aktuell gibt es noch keine Termine, aber die werden sich wahrscheinlich im Laufe der Promotion des Albums herausstellen. Vielleicht gibt es dann auch einige CD-Releaseparties, und wir werden euch auf jeden Fall auf dem Laufenden halten, wenn es neueste Termine gibt.

http://www.massiv-in-mensch.de

darkerradio 26.09.2005 15:58

Rotersand

Falk: So, dann erzähl doch bitte mal was zur Gründung von Rotersand. Wer steht alles hinter diesem Projekt und welche Bedeutung hat der Bandname für euch, der ja meines Wissens in Bezug auf einen Leuchtturm in Bremerhaven steht?

Rasc: Das sind ja… das sind ja gleich zwei Fragen auf einmal! Rotersand sind Krischan, der schwerpunktmäßig die Produktion betreut und der Sound- und Studiomann ist und auch diesen Techno-Appeal da reinbringt, weil er von Hause aus Techno- und House-DJ ist seit ganz ganz vielen Jahren und auch selber viel veröffentlicht hat auf sehr renomierten Labels wie Radikal Fear und ach, tausend Klamotten, frag mich nicht, guck im Internet nach. Gun ist auch nicht unbedingt jemand, der so der schwarzen Szene entsprungen ist, ist so ein Multiinstrumentalist, was unserem Sound sehr zugute kommt, ist so seine klassische Ausbildung, ich glaub das hört man so bei ein paar Tracks, die wir haben, und war auch viele viele Jahre als Produzent unterwegs in Hamburg und in München und hat, ach auch schon mit x Leuten die man so kennt zusammen gearbeitet: Moloko, Daniel Klein, Boris Dlugosch und so, die ganze Hamburger Dance-Szene auch so. Ja ich bin ein alter EBM-Kopp, wie man so weiß, in den 80ern sozialisiert musikalisch, und daran hat sich relativ wenig geändert. Also ich mag sehr sehr, teile mit Krischan vor allem die Liebe zu zeitgenössischer Techno-Elektro-Musik, aber groß geworden bin ich in den 80ern, was man letztlich an jeder Note, die ich so von mir gebe, auch merkt, glaube ich. Die zweite Frage war die nach dem Titel. Ja, wie du schon gesagt hast, der Ursprung liegt tatsächlich, der Namensgeber ist dieser wunderschöne alte Leuchtturm in der Wesermündung weit draußen in der Nordsee, so ein Jahrhundertwendebauwerk, wunderschöner alter Jugendstil-Stahlzylinder, der weit draußen im Meer dort steht. Ich hab `ne Fernsehdokumentation gesehen, so `ne alte Schwarzweiß-Dokumentation über diesen Leuchtturm und über das Leben, als er noch wirklich in Betrieb war und bemannt war, über das Leben der Leuchtturmwärter auf dem Leuchtturm, und dann so die wettergegerbten Gesichter der alten Männer, die dann über Einsamkeit da weit draußen im Meer sprachen und gleichzeitig über dieses schöne erhabene Gefühl, da draußen zu sein, zwar völlig alleine und manchmal unerträglich alleine, aber gleichzeitig diesen weiten Blick zu haben und so dieses Gefühl oder in dem Bewußtsein zu leben, so den Schiffen den Weg zu weisen, und dann so Wind und Wetter und diesen knallenden Wellen ausgesetzt, also das war eine unglaubliche Athmosphäre. Und die Art und Weise, wie der Sprecher dieser Dokumentation immer “Rotersand” gesagt hat, fand ich sehr sehr beeindruckend, so daß ich sehr schnell dabei war, ey, wir müssen - unsere neue Kapelle, die müssen wir so nennen, das ist ein super Name. Dann begab es sich aber, daß - Krischan war damals noch nicht so involviert, es waren vor allem ich und Gun in den ganz ganz frühen Wochen und Monaten, und Gun fand den Namen scheiße, fand ihn total blöd, und dann haben wir viel hin und her diskutiert, und ich war aber sehr überzeugt, wollte unbedingt, daß die Kapelle so heißt. Dann bin ich ganz schwer krank geworden und hatte einen Blinddarmdurchbruch und war halb tot und bin dann ins Krankenhaus gekommen, und auf dem Zimmer, wo ich dann eingeliefert wurde und wieder gesund war, hing ein Gemälde an der Wand, und das hängt jetzt hier bei uns auch, kannst du gleich mal da vorne gucken um die Ecke, und das war ein Bild von diesem Leuchtturm “Rotersand”. Und ja, Stella hat dann sofort Gun angerufen und gesagt, tja, ihr müßt die Band jetzt so nennen, wenn der Rasci da lebend rauskommt, dann ist das ein Zeichen! Es gibt keinen anderen Namen als den, das kann ja kaum sein anders! Und das war Gun dann auch sehr schnell klar, und ich glaube, mittlerweile liebt er diesen Namen. Für ihn war das erst so ein Nordseeküsten-Klaus und Klaus-Name, und das ist natürlich damit verbunden auch, aber nicht für mich, also ich hab durch vielleicht diese Dokumentation, durch eine andere Art der Auseinandersetzung damit hatte ich das nie als so Heimatkunde-Nordsee-Shantychor-Namen empfunden, sondern als etwas ja fast industrielles und ein sehr inspirierendes Bild, ich meine so ein Stahlzylinder da draußen im Meer, allem Wind und Wetter ausgesetzt steht er da einsam, gleichzeitig mit ganz weitem Blick. Wenn man weit gucken kann, kann man manchmal auch sich alleine fühlen, finde ich. Also da sind so viele Bilder drin, so viele Stimmungen, von denen wir glaube ich noch sehr sehr lange zehren können. Also ich glaube, wenn uns nichts mehr einfällt musikalisch, dann wird es spätestens höchste Zeit, da auch mal hinzufahren und selber da mal ein paar Tage drauf zu verbringen, was möglich ist, man kann da Urlaub machen. Ich hatte jetzt auch schonmal versucht für nächsten Sommer, mal gucken, ob´s klappt.

Falk: Ja wenn wir gerade beim Musikalischen sind, eure Songs bzw. eure Musik ist ja nun sehr vielfältig. Wovon seid ihr inspiriert bzw. habt ihr in irgendeiner Form Vorbilder?

Rasc: Musiker bewundern immer Musiker. Für mich ist das gesanglich, da ich bei Rotersand ja auch die Funktion habe, der Sänger zu sein, anders als damals bei TFS, wo ich auch gesungen habe, aber ja nicht der hauptamtliche Sänger war. Meine gesanglichen Vorbilder: Peter Murphy, David Bowie, manchmal auch Andrew Eldritch, weil so weit komme ich nicht runter. Also das ist so aus Gesangesperspektive. Natürlich musikalisch viel 80er, ich bin mit Skinny Puppy und Front 242 groß geworden, und Fad Gadget und so den ganzen Kram, was du glaub´ ich auch gut kennst, habe dann aber Anfang der 90er, als ich dann auch - da hatte ich bei Rough Trade gearbeitet, da hatten wir Warp Records lizensiert, und dann bin ich in einen ganz anderen Sound gekommen und hab dann so R & F Records, Warp, LFO, Nightmares On Wax und so was da alles an großartigen Sachen rauskam, die ich auch sehr geliebt habe und auch immer noch sehr sehr viel höre, und dieses ganze Detroit-Techno-Zeugs und so ein Kram. Auch Charts, also ich höre auch gerne Pop. Krischan ist eindeutig mit Techno groß geworden und hat ein Riesenarchiv da wo auch das Studio ist, wo er auch wohnt, da gibt es ein Zimmer, er hat so ein DJ-Zimmer mit nur Platten, meistens nur Maxi´s, und das ist wie ein Steinbruch, da sind wir viel, hören viel, gucken viel, hey, wo könnte man mal `ne Basedrum samplen. Das ist ein Riesenarchiv, wenn du so willst, wo wir sehr viel Zeit verbringen, uns gegenseitig Sachen vorzuspielen. Und Gun ist glaub´ ich nur glücklich, wenn er Jazz und Klassik hören kann. Also er ist richtig - er hat eine große Affinität zu Sounds, zu elektronischen Sounds, er ist ein super Synthieprogrammierer auch, also er ist ein Sounddesigner und sehr detailverliebt. Aber richtig aufgehen tut er wenn er dann so Streicherarrangements machen kann bei unseren Nummern, oder ich komme dann meistens mit eher so Kinderakkorden an zu meinen Melodien, und er macht dann sehr ausgefeilte, sehr vielschichtige Harmonien dazu. Dann ist er in seinem Element.

Falk: Wie würdet ihr denn selber eure Musik bezeichnen?

Rasc: Im weitesten Sinne natürlich elektronische Musik. Es gibt diesen Sampler, “Advanced Electronics” heißt der, wo wir mit drauf sind. In diesem Umfeld fühlen wir uns natürlich sehr sehr wohl. Also “Advanced Electronics” ist ein schöner Begriff, der das wahrscheinlich am Besten auf den Punkt bringt. Wir sind nicht stumpf einfach Techno, unsere Strukturen sind manchmal sehr kompliziert, hoffentlich nicht zu kompliziert, und trotzdem versuchen wir, es runterzubrechen und auf den Tanzboden zu bringen in den meisten Fällen. Also, uns vereint die Liebe zur Elektronik, gar keine Frage, egal ob 80er, 90er oder wo es herkommt. Elektronische Musik und da zu gucken, Sounds zu entwickeln, also den Gesamtsound zu entwickeln, möglichst viele Einflüsse organisch zu verarbeiten, das ist so unser Programm.

Falk: Ja, und dann kommen wir eigentlich auch zu den Texten. Die sind ja meist sehr kurz gehalten bei euch und trotzdem noch sehr hintergründig irgendwo. Wie beeinflußt das die Musik bzw. umgedreht, beeinflußt dann die Musik dann halt eure Texte?

Rasc: Das schaukelt sich so wechselseitig hoch, in der Tat. Es ist oft eine Kombination von Musik und Text am Anfang da, also nicht ein fertiger Text, aber ein Hook. “Merging Oceans” (Rasc singt diese Worte - Anm. d. Red.) ist dann ein Ding, was steht, und damit verbunden eine Geschichte, die man erzählen will, nämlich die Geschichte, eine wahre Geschichte von einem Seefahrer, der davon geträumt hat, durch sein bloßes Durchfahren die Ozeane der Welt miteinander zu verbinden, äh zu verschmelzen. Das war die Inspiration dazu, diese Geschichte habe ich irgendwann Sonntags morgens in der Süddeutschen gelesen, fand ich irgendwie… Und auf einmal war da “Merging Oceans” (wieder gesungen - Anm. d. Red.) und dann sehr schnell auch die Gesangsmelodie dazu mit nur Textfragmenten. Und dann ist das Stadium oft, ist die Entwicklung oft, daß ich dann mit Gun zusammen die Geschichte entwickle, also textlich. Er ist ein brillanter Worteschreiber, viel viel besser, als ich das alleine könnte, und letztlich komponiert er die Worte zusammen zu einer Geschichte und zu einem Hook, der bereits da ist. Das ist sehr oft, daß es so funktioniert. Und dann falle ich hintenrüber, wenn dann das Ergebnis fertig ist, also so ein Text, bei “Merging Oceans” nur vier Zeilen, aber da ist so viel drin, wie du sagst, so viel Geschichte mit so wenigen Worten ausgedrückt, das ist eine Kunst, und das ist Guns Metier, also ganz eindeutig, und das ist dann für denjenigen, der die Rolle des Sängers in einer Band hat, eine solche Qualität von Text singen zu können, ist ein Privileg, ist was Großartiges, nicht irgendwie so mit der schnellen Nadel gestrickte Sachen runterzusingen, sondern wirklich komponierte Wörter sind das. Das wird nicht für alle Hörer wichtig sein, aber ich denke, für ein paar Hörer wird das sehr sehr wichtig sein, und für mich und für die ganze Kapelle ist das was sehr sehr wichtiges und führt dann dazu, daß wir in der Entwicklung der Musik dann auch auf bestimmte Abschnitte im Text dann auch Rücksicht nehmen und z. B. ein Backing komplett zurückfahren, also du kannst dann nicht, bei “Fire” z. B. gibt´s dann das - “Fire” hat die zweite Strophe durchgeknallt, und irgendwann saßen wir im Studio und dachten, ey, zu diesem Text paßt nicht, daß es jetzt durchbollert, wir müssen das Backing komplett zurückfahren. Das haben wir dann auch, nur noch die Streicher stehenlassen, um die zwei Zeilen zu singen, die sehr entscheidend sind so in der Geschichte der Entwicklung, und dann entsprechend, dann haben wir Vollgas gegeben. Aber so sind die Inhalte, die wir da singen und von uns geben, sind uns sehr sehr wichtig, und manchmal muß die Musik dann auch dahinter zurückstehen.

Falk: Weil du gerade die EP “Merging Oceans” angesprochen hast, wie war denn die Resonanz der Hörer bzw. auch vielleicht bei Live-Auftritten dann die Resonanz des Publikums darauf?

Rasc: Ja, das ist… ich meine, weißt du ja, damit hatte ja niemand gerechnet, wir als allerletztes. Sowas kannst du ja auch nicht vorhersagen, daß so ein Ding so ein Clubhit dann wird und überall läuft und irgendwie auch so ein besonderer Clubhit wird. Der Ronny von Clan Of Xymox, der der auch das Gotham-Festival organisiert und DJ ist in Holland, wo wir neulich auf dem Gotham mit Rotersand gespielt haben, meint, das wäre jetzt schon eine Kultnummer, und ich meine, wenn jemand wie Ronny sagt das ist jetzt schon eine Kultnummer, irgendwie, da ist was dran, also du spürst, das ist halt eine besondere Nummer, das ist nicht so, die läuft jetzt zwei Monate und dann nie wieder, sondern das hat… die bleibt! Das ist so ein Ding, du hast selber das Gefühl, das bleibt, und es ist viel viel größer geworden durch sich selbst und durch die Dynamik und durch die DJ´s und die Leute, die drauf tanzen, und wie sie es wahrnehmen, als es mal irgendwann war. Es war irgendwann mal einfach nur ein Lied, und jetzt ist es… ja, jetzt ist es “Merging Oceans”, was so ein feststehender Begriff ein bißchen geworden ist. Ich will´s jetzt nicht zu dick machen, aber der Erfolg ist berauschend, was das angeht, und egal, ob wir jetzt in Holland spielen, in Deutschland oder in Spanien, wo wir jetzt gerade auf Tour waren, die Leute kennen es! Und das ist für so einen Newcomer wie uns, im Vorgruppenstatus, ist das großartig, wenn du irgendwo spielst, und die kennen ein-zwei deiner Nummern direkt. Das ist im Grunde deine erste Tour, die du zu dritt machst, deine ersten, allerersten Konzerte und Gehversuche, live das umzusetzen, und die Leute kennen den Song, und, ja, du agierst ganz anders, also es gibt irgendwo noch Konzerte in Ecken von Deutschland, wo das nicht so bekannt ist, und dann agierst du auf der Bühne ganz anders, als wenn es bekannt ist, das macht viel viel mehr Spaß natürlich.

Falk: Weil du gerade die Live-Auftritte ansprichst, wo kann man euch denn in nächster Zukunft dann eigentlich sehen? Gibt´s da ein paar Termine, die du mir nennen kannst?

Rasc: Ja, ja, gibt´s: Hier in Köln jetzt am 07.11. in der Essigfabrik sind wir mit dabei, und ähm… müßte ich jetzt rauskramen… wir sind in Jena und wir sind irgendwo in Polen und in Berlin… Auf unserer Webseite rotersand.net sind die alle verzeichnet und auch Snippets bald zu dem Album, wenn ihr das mal noch hören wollt. Ähm ja, Termine, am besten da gucken!

Falk: O.k., werden wir dann auch machen und werden wir dann wahrscheinlich auch ankündigen. Weil du gerade das Album ansprichst, ich hab es jetzt leider selber noch nicht hören können, aber steckt jetzt hinter dem Album irgendwo ein bestimmtes Konzept oder wie ist das ganze entstanden?

Rasc: Ja, Konzept ist ein bißchen zu dick, aber es ist durchgemischt weitgehend, was so unseren Clubappeal, so unsere Freude am Tanzboden nochmal ausdrücken soll. Es sind sehr viele… sehr clublastiges Material, aber es sind auch zwei Balladen darauf; eine davon ist denjenigen, die uns live beguckt haben, schon sehr bekannt, und ist auch immer so die Nummer, über die man dann hinterher spricht, sei es andere Musiker auf Festivals oder das Publikum immer wieder: Hey, diese Rührenummer, wo du Akustikgitarre gespielt hast, boa, die geht mir nicht mehr aus dem Ohr, die ist ergreifend! Also diese Ballade, “One Level Down” heißt sie, ist auch auf dem Album drauf. Ich persönlich finde die live fast stärker, das darf man ja nicht sagen irgendwie auf Plattenveröffentlichungen, aber die hat live… ich finde es schweineschwer, eine Ballade studiomäßig vernünftig rüberzubringen. Es gab da jetzt welche, die es live lieben und sagen, daß sie es studiomäßig so erwartet haben und es adäquat umgesetzt ist. Ich persönlich finde es live stärker und würde mir wünschen, daß man das… man singt irgendwie… der Gesang ist intensiver live, es ist… ich weiß auch nicht, ich finde live macht die mehr Spaß, als sie jetzt auf dem Album zu hören, aber ich denke, daß es trotzdem gut rüberkommt, daß es ein sehr schönes, sehr tiefes Lied ist. War das deine Frage eigentlich?

Falk: Ich denke schon.

Rasc: Ja gut, sehr clubmäßig. Die Themen, was uns beschäftigt auf dem Album inhaltlich, also das sind manchmal so momentane Inspirationen wie bei “Merging Oceans” und der kleinen Geschichte, es gibt sehr persönliche Sachen, manchmal Angstszenarien oder persönliche Erlebnisse, es gibt so eine Auseinandersetzung, es gibt so ein bißchen Medienkritik, weil wir uns… gerade in so einer Phase, als das mit dem Irak-Krieg war jetzt, was ja immer noch sehr sehr aktuell ist die Art und Weise, wie so eine Weltöffentlichkeit mit so einem Überfall umgeht, ist ja immer noch ein sehr großes Thema, so daß wir - also auch der Albumtitel “Truth Is Fanatic” hat sehr viel mit diesem Empfinden der Unerträglichkeit zu tun, wie sich Medienwirklichkeit darstellt, und wie sich Politik und Weltpolitik in den Medien verkauft und darstellt, ist einfach unerträglich. Und diese unfaßbare Borniertheit und Korrumpiertheit, die sich dann so unreflektiert in den Medien wiederfindet und darin auch nochmal verstärkt wird auf eine ganz komische Art und Weise, wenn ich so an CNN denke, also da schraubt sich so ein Zusammenhang in den Gedanken hoch, der uns schier unerträglich scheint. Ich kann kein Fernsehen mehr gucken so richtig, also Sport natürlich, ne, Fussi… aber so nachmittags kann man den Fernseher nicht einschalten, die ganzen Serien kann man sich nicht angucken, das ist alles so inhaltsleer geworden. Guck mal, “Deutschland sucht den Superstar”, es geht nicht darum, daß du was kannst wirklich jenseits von “hast ein nettes Stimmchen”, es geht nicht darum, daß du eine eigene Kunst produzierst, es geht nur noch darum, berühmt zu werden, es ist so inhaltsleer. Es ist nicht so, daß du Kunst produzierst und eine kulturelle künstlerische Entwicklung mit voran treibst mit dem, was du von dir gibst, und wenn es natürlich auch nur ganz minimal ist, wie wir das nur tun können als Musiker, aber immerhin. Aber hier geht´s nur noch darum, über eine massive Multiplikation und einen Part in der Bildzeitung, vor allem mit RTL, geht´s nur noch darum, zu casten und inhaltsleere Gesichter auf Plakate, auf Großraumplakate zu bringen, und da bin ich froh, daß wir den “Content Killer” - es gibt eine Nummer, die heißt “Content Killer”, und ich bin sehr froh, daß wir den “Content Killer” erfunden haben, weil letztlich ist das die einzige Chance: Einfach nur noch alles zu zerstören, was Medieninhalt ist, und darum löst sich die Platte bei “Content Killer” dann auch selber auf. Das ist so eine Art Inhaltterrorismus, den wir vorschlagen auf unserer Platte.

Falk: Da waren jetzt eigentlich sehr viele Themen drin, also gerade speziell Politik oder Medien. Wie seht ihr eigentlich die Möglichkeit jetzt als Band, auch irgendwo die Hörer zu beeinflußen? Oder ist das nicht vielleicht sogar letztendlich eine Gefahr, daß man als Band halt ein politisches Statement abgibt oder halt in die Richtung dann halt seine Statements abgibt?

Rasc: Also, ich glaube, ein eindeutig formuliertes Statement ist - was eine gewisse Authentizität hat, weil das ist es halt. Meinungsvielfalt ist nach wie vor etwas sehr sehr vernünftiges. Wichtig ist nur, finde ich, daß es authentisch ist, egal wie extrem dann das ist, was du vertrittst, wichtig ist erstmal, daß es eine gewisse Authentizität hat. Und die Fensterläden unserer Politiker haben alles andere als Authentizität. Darum geht es einfach nicht mehr. Nur wird sie durch Medien gerade so verstärkt, so weit von den eigentlichen Motiven abgerückt, daß es einfach eine neue Dimension hat an Lüge, die in der Welt ist. Die Referenz an Wahrheit, der Bezug auf Wahrheit, ist egal geworden, weißt du. Wahrheit birgt einen eigenen Fanatismus in sich. Es geht nicht mehr um Vielseitigkeit, es geht nicht mehr um Vielfalt, es geht nicht mehr um Meinungsvielfalt, es geht nur noch um diesen einen sinnentleerten Brei von Medienrauschen, darum geht es. Also, ich will nicht sagen, daß alle Meinungen, so extrem sie sein können, und vor allen Dingen wenn es dann um rechte Ansichten und so weiter geht, daß das etwas ist, was tolerierbar ist, aber ich glaube, daß der viel größere Feind der Menschlichkeit in diesem verlogenen, nur noch in sich selbst drehenden Medienrauschen zu finden ist. Ich glaube, daß das unser größtes Problem ist. Ein größeres Problem als extreme Meinungsausformungen auf der linken oder auf der rechten Seite. Zumindest im Moment. Ich glaube, daß von den Amerikanern für die amerikanische Regierung beispielsweise für den Weltfrieden eine viel viel größere Gefahr ausgeht als von irgendwelchen kleinen rechten Spinnersplittergruppen, die auch sehr ernst zu nehmen sind, aber nicht im Verhältnis stehen.

Falk: An der Stelle würde ich dann gerne noch ein anderes Thema aufgreifen, was mir jetzt gerade aufgefallen war. Und zwar sprachst du vorhin auch schon die Musikbranche bzw. die Musikindustrie an, die ja derzeit halt wirklich über mehrere Verluste klagt. Worin siehst du eigentlich die Gründe dafür? Also ist es jetzt wirklich nur der künstlerische Aspekt, der halt da irgendwo fehlt, oder ist es wirklich so, daß, wie es so oft vorgeschoben wird, Internettauschbörsen und solche Dinge halt dafür verantwortlich wären? Und wie gesagt, bei Endless seid ihr auf einem sehr sehr netten Underground-Label in dem Sinne, wie gestaltet sich da die Zusammenarbeit? Wieder zwei Fragen in einer, aber ich denke, da kommen wir schon zu einer Antwort…

Rasc: Also ich glaube, daß… also Endless Records macht es ja vor, mit Minimalbudgets international Bands zu pushen und in die Welt zu bringen. Rotersand ist das beste Beispiel für Endless dafür. Aus dem Nichts mit Minimalbudget, ich kann es nur nochmal sagen, bist du präsent in fünf-sechs Ländern gleichzeitig, bist plaziert und bist in der Welt. Und wenn wir jetzt irgendwo rumreisen, empfinden wir sehr viel Respekt von den anderen Musikern, von Fans, die das Material kennen, und das hat alles Endless letztlich ja koordiniert und auf den Weg gebracht. Natürlich ist es auch schweinegeile Musik, das ist dadurch total einfach… Aber ich meine, hey, Respekt! Und das mußt du erstmal machen als so ein Minilabel. Und das zeigt aber ganz genau, wie es gehen kann. Die Musikindustrie hat einfach nur einen Riesen-Wasserkopf, und Musik hat… wir wissen ja alle, daß das Produzieren oder der Wert der CD an sich nur ein ganz ganz kleiner Teil ist, und daß das Marketing und der Riesenkopf da drum herum das ist, was kostet. Internet ermöglicht, daß du deine Musik vervielfältigen kannst und unter´s Volk bringen kannst und bekannt machen kannst, wie das vorher noch nie gewesen ist. Und gerade im Aufbau von Newcomern ist das ein Traum, ist mp3 die Lösung für ganz ganz viele Probleme, und für Rotersand gibt´s nichts besseres, als daß alle Kinder in der Welt das Zeug brennen und kopieren. Uns kann nichts besseres passieren. Mit den Margen von Plattenverkäufen, ich weiß nicht wieviel zighunderttausend Platten wir verkaufen müssen, daß das mal irgendwann relevant wird, und - gut, zighunderttausend sind´s dann auch nicht, aber für uns ist es das Beste, wenn das viel gebrannt wird und viel verteilt wird. Wir möchten, daß möglichst viele Leute unsere Liebe und unsere Auffassung von elektronischer Musik teilen. Das ist in erster Linie unser Interesse. Wenn du sowas machst und davon so überzeugt bist, dann willst du, daß das möglichst viele hören, und das ist über Internet sehr sehr gut möglich. Ich glaube, daß die Kriminalisierung der Filesharer der größte Fehler war und der größte Irrtum der Musikindustrie. Das ist megabanane, das macht keinen Sinn, das so zu tun. Du wirst ein Album kaufen, du willst das haben, wenn es das wert ist. Das ist eine Frage von Pricing und Packaging. Wenn dir das Album… ich kann dir zwei Beispiele geben aus meinem kleinen doofen Leben: Ich wollte Zweiraumwohnung mal irgendwann haben, das Album. Hatte ich nicht. Ich bin zum Saturn gefahren, da war es schon zwei Jahre alt oder so. 16,99 war der Preis. Nee, hab ich nicht gekauft, nicht für 16,99, das war mir zu teuer. Zurück, zwei Kumpels gefragt, einer hatte es nicht, der zweite hatte es. Gebrannt, gehabt. Dem ersten, der es nicht hatte, aber auch haben wollte, direkt mitgebrannt. So war´s. Anders Beispiel: Goldfrapp. Ich hatte Goldfrapp “Felt Mountain” als gebrannte Kopie von irgend jemandem bekommen und immer gehört, war meine absolute Lieblingsplatte, ich hab sie schon fast durchgehört. Dann war ich in London, und du weißt, wie teuer Plattenkaufen in London ist. Dann habe ich dort eine Limited Edition angeboten bekommen für ein Schweinegeld, mit einer ganz aufwendigen, schönen Verpackung, Pappe, nett gemacht, mehr Photos, noch `ne Remixplatte mit drin in dem Ding, für endlos, also bestimmt… laß es 50-60 Mark gewesen sein, aber es war es mir wert. Obwohl ich das Hauptprodukt hatte als gebrannt, fand ich die Platte so geil, und ich wollte sie unbedingt dann auch in dieser Form, auch mit den Remixen dabei und so weiter, wollte ich sie unbedingt haben, und habe dann das Geld ausgegeben. Ich glaube, daß diese Beispiele klar machen, daß das, was du dafür bezahlst, in einem vernünftigen Wert für dich selber zu dem, was du davon hast, einfach stehen muß. Und ich wäre nicht dazu bereit, für ein Album, wo ich zwei Nummern drauf gut finde oder vielleicht sogar nur eine, dafür kaufst du dir kein Album! Und darum ist es gut, daß du erstmal was gebrannt haben kannst, um zu gucken, gefällt´s mir, oder ein paar mp3´s von einer Band hast. Ich bin der festen Überzeugung, irgendwann kaufst du es dann auch. Also wenn es das wert ist und wenn es nachhaltig wertvoll ist, dann kaufst du es auch. Und wenn nicht, dann sind wir froh, wenn die Leute draußen dann zumindest unsere Hits kennen, das was in den Clubs läuft, wenn sie unser Album langweilig oder zu teuer finden. Ich glaube, daß sich das durchsetzt; und als Band kann man ja auch clever shippen, weil wir, BWL-mäßig gesprochen, an der Wertschöpfung und an ganz vielen anderen Dingen partizipieren, und wenn du einmal so eine kritische Masse hast von Hörern, die mit dir deine Musik teilen, dann hast du ja auch noch Konzerte und ein bißchen Plattenverkäufe, Merchandise usw., hast du ja Möglichkeiten, dann schon auch dich als Künstler zu finanzieren. Aber das entscheidet der Markt, das entscheiden die Hörer, und das ist auch gut so.

Falk: Damit wären wir eigentlich schon fast am Ende. Ich würde mal sagen, das Statement lassen wir dann so stehen. Vielleicht noch ein paar Worte in eigener Sache auch an unsere Hörer von darkerradio?

Rasc: In eigener Sache? Hey, hört euch unsere Scheiße an! Entscheidet euch, ob euch das gefällt! Und wenn euch das gefällt, dann schickt uns doch mal eine Email, oder hinterlaßt uns eine Botschaft im Gästebuch. Wir freuen uns wie doof über jeden neuen Eintrag, und wenn eine Woche vergeht, und da ist kein neuer Eintrag, dann fangen wir an zu heulen. Ja, schöne Grüsse, haltet die Treue!

http://www.rotersand.net

darkerradio 26.09.2005 15:55

[S.I.T.D]

Falk: Für all unsere Hörer, die euch nicht kennen: Seit wann gibt es euch und wie kommt es zu eurer Namensgebung?

Carsten: Ja also die Band wurde im Jahre 1996 gegründet. Damals habe ich mit einem alten Schulkollegen namens Thorsten Nauer angefangen, Musik zu machen unter dem Namen “Shadows In The Dark”. Der Name sorgte damals für Irritationen, daß er häufig mit Gothic Rock und solchen Sachen assoziiert wurde. 1999 ist Tom eingestiegen, nachdem Thorsten aus familiären Gründen aufgehört hat mit der Musik. Seitdem nennen wir uns halt [:SITD:], und seitdem nahm die Geschichte ihren Lauf.


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Technik 20.09.2005 13:25

Zeichensätze bei MySQL4.1

In MySQL4.1 wurde der Zeichensatz / Kollation eingeführt.

Die Kollation/Zeichensatz ist der verwendete Zeichensatz. Dies kann z.B. ASCII sein. Früher gab es 7Bit ASCII, dies enthielt die häufigsten 128 Zeichen der englischen Sprache. Also keine Umlaute. Irgendwann wurde 8Bit ASCII eingeführt, mit Umlauten. Kurz vor 8-Bit ASCII wurde der ANSII Standard eingeführt (auch 8 Bit), dort sind die 128 Zeichen des 7-Bit ASCII vorhanden, aber die Zeichen danach (Sonderzeichen) unterscheiden sich von 8 Bit ASCII.

Der Hexcode für ein ä:
ANSI: E4
ASCII: 84

Normale Windows/Linux User in unseren Breitengeraden verwenden den ISO-8859-1 Standard, dies entspricht dem ANSI Standard.

So aber ein Chinese würde mit unseren 256 Zeichen nicht zurechtkommen, deswegen gibt es noch deutlich mehr Zeichensätze.

z.B. der Unicode, 16 Bit pro Zeichen. Die ersten 256 Zeichen sind wie beim ANSI Standard, danach kommen aber diverse andere Zeichen. Insgesamt sind es 65535 verschiedene Zeichen.

Naja damit MySQL dies alles effektiv speichern kann, legt man den Zeichensatz fest.

Alle Datenbanken, die ich auf dem neuen Server importiert habe (vom alten mit phpMyAdmin exportiert), haben sehr seltsame Kollationseinstellungen - sie stehen alle auf “latin1_swedish_ci”.

Unter den neueren phpMyAdmin Versionen findet man bei Struktur noch folgendes:

SQL-Export-Kompatibilität

Dort kann man verschiedenes auswählen, für Kompatibilität zu älteren Datensicherungen sollte man MySQL323 auswählen.

Um den Zeichensatz zu ändern, kann man folgendes verwenden:

ALTER TABLE `table` CHANGE `spalte` `spalte` TEXT CHARACTER SET latin1 COLLATE latin1_general_ci NOT NULL


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